Interview mit Nadine Härdter

Personal Training mit Stefan Eitel in Stuttgart
Nadine Härdter Bronze-Medaille bei der WM 2007
Personal Trainer Stuttgart
Bärensee Stuttgart - Nadine und Stefan

 

Mit einer Nationalspielerin um den Bärensee

 

Bis sie sich 2011 aus dem Handballsport zurückzog, war Nadine Härdter eine feste Größe der deutschen Nationalmannschaft. Von 1999 bis 2010 bestritt Nadine 161 Länderspiele auf der Linksaußenposition, wurde 2007 mit Ihrem Team Dritte bei der Weltmeisterschaft in Frankreich, und nahm 2008 bei den olympischen Spielen in Peking teil. Seit ihrem Wechsel vom Thüringer HC zum VfL Sindelfingen lebt die gebürtige Pfälzerin in der Daimlerstadt. Eine gute Gelegenheit für einen Personal Fitnesstrainer, bei einer gemeinsamen Laufeinheit Tricks und Tipps mit der Leistungssportlerin auszutauschen.  Zum sportlichen Tête-à-Tête traf ich Nadine am Bärensee…

 

Stefan: Und Nadine, wie fandest Du den Nachmittag?

 

Nadine: Sehr interessant! Du hast mir sehr viel über Deine Arbeit als Personal Coach erzählt. Da stehst Du ja vor ganz anderen Herausforderungen, als ich sie im Leistungssport erlebt habe.

 

Stefan: Welche meinst Du damit genau?

 

Nadine: Eine ganz wichtige Aufgabe bei Dir ist, Deine Kunden zu motivieren. Die meisten kommen ja, um fit zu werden oder ihr Gewicht zu reduzieren. Ich glaube, dass Du gute Motivationsarbeit leisten musst, damit die Leute mit Spaß bei der Sache bleiben und auch wirklich etwas erreichen. Und Du musst ein Feingefühl entwickeln, wie Du mit jedem einzelnen Kunden umgehst, was Du ihm zumuten kannst.

 

Stefan: Gut, aber wenn die Kunden zu mir kommen, haben sie ihren Schweinhund im Prinzip ja schon selbst besiegt.

 

Nadine: Klar, das natürlich schon. Aber es ist nur der erste Schritt. Nachdem sich die Leute entschieden haben, etwas für sich und ihre Gesundheit zu tun, liegt es ganz stark bei Dir, ob sie das auch umsetzen können.  Dann ist es Deine Aufgabe, einen individuellen Trainingsplan zu erstellen, der Deine Kunden zwar fordert, aber nicht überfordert. Du musst schauen, dass sie nicht zu viel machen, oder falsch trainieren. Wenn das nicht klappt, ist die Motivation ganz schnell wieder weg. Du brauchst  einen Blick dafür, was Du Deinen Kunden zumuten kannst. Da ist Dein Fachwissen gefragt. Das ist aber nur die halbe Miete…

 

Stefan: … und die andere Hälfte?

 

Nadine: Die Art und Weise, wie Du mental auf jeden einzelnen eingehst, trägt meiner Meinung nach auch ein ganz großes Stück zum Erfolg bei. Bei  gutem Aufbautraining machen Leute, die zuvor gar keinen Sport getrieben haben,  vor allem am Anfang große Fortschritte. Da merkt einer plötzlich, dass er nach dem dritten oder vierten Mal schon eine halbe Stunde länger joggen kann als beim ersten Treffen. Ein tolles Gefühl, wenn das Leistungsvermögen so schnell zunimmt!

Du musst dann dafür sorgen, dass dieser Elan nicht verloren geht. Bei einem schaffst Du das durch einen kleinen verbalen Tritt in den Hintern, beim anderen ist eher gut zureden angesagt.

Da brauchst Du gute Sensoren, um die richtigen psychologischen Mittel zu finden, damit die Leute regelmäßig trainieren und die Sache nicht schleifen lassen…

 

Stefan: Hast Du mir ein paar Motivationstipps?

 

Nadine (lacht): Leider nein. Im Leistungssport musst Du die Leute eigentlich nicht motivieren. Das machen die Sportler schon selbst. Wer von sich aus nicht wirklich will und alles gibt, der kommt erst gar nicht so weit.

Deine Trainingserfolge nimmst Du wegen dem sehr hohen Leistungsniveau gar nicht mehr selbst wahr. Ob Du fitter geworden bist, zeigen auf diesem Level nur Leitungstests und Messungen.

 

Stefan: Legst Du Dir irgendwann mal einen Personal Trainer zu?

 

Nadine: Haha, guter Versuch. Das hätte in meinem Fall wahrscheinlich wenig Sinn, weil ich ja genau weiß, wie ich trainieren muss und wie der Körper reagiert. Würde ich aber jetzt erst anfangen Sport zu treiben, wär das definitiv sinnvoll.

Ein Personal Trainer verhindert, dass man einfach mal so drauflosrennt und sich dann zu viel oder falsch beansprucht oder sogar verletzt. Das macht überhaupt keinen Spaß und die Motivation ist auch sofort wieder weg. Ich finde es sehr gut, wenn sich Menschen von einem Coach ein Training zuschneiden lassen, das zu ihrem Leistungsniveau passt und behutsam die richtige Grundlage schafft.

Ein perfekter Einstieg in ein gesünderes Leben. Außerdem ist es zu zweit auf der Piste einfach schöner als alleine. Ein Trainingspartner hilft einem im Zweifelsfall, den Hintern hoch zu kriegen oder sich gegenseitig anzutreiben. Das ist auch ein Argument.

 

Stefan: Wie hältst Du es mit Deiner Ernährung?

 

Nadine: Also vorneweg: Dass Du auch Ernährungsberatung im Programm hast, finde ich klasse.

Die richtige Ernährung ist das A und O und gehört zu einem gesunden Lebenswandel einfach dazu. Ich habe den Eindruck, dass heute vielen Menschen im Berufsleben das eigene Körpergefühl für Ernährung abgeht. Wir schaufeln immer so viel in uns rein.

Wir merken gar nicht mehr, dass wir uns eigentlich regelmäßig überfressen.  Dass bei mancher Gelegenheit auch mal ein Apfel oder ein Joghurt reichen kann, um satt zu werden, glauben die meisten gar nicht mehr, weil sie sich immer noch ein Hungergefühl einreden. Hier müssen wir einfach wieder  lernen, auf die Bedürfnisse unseres Körpers zu hören.

 

Stefan: Du isst aber manchmal mehr als einen Apfel?

 

Nadine: Klar. Ich gehe mit Freunden natürlich auch mal eine Pizza essen. Das ist ein Stück Genuss und Geselligkeit und gehört zum Leben dazu. Aber ich achte eben darauf, auch im Beruf immer frisches Obst oder dergleichen dabei zu haben. Das ist schnell geschnitten, saulecker und gesund. Dazu noch ein paar Körner…

 

Stefan:…kein Müsli?

 

Nadine…nein, Müsli ist nicht so super-duper wie sein Ruf. Da sind oft Geschmacksverstärker und viel Zucker drin. Körner tun es da viel eher.

Stefan: Wie hältst Du Dich nach Deiner Sportkarriere fit?

 

Nadine: Ich mache nach wie vor viel, sonst würde ich kirre werden. Ich gehe viermal die Woche ins Fitnessstudio. Erst 40 bis 60 Minuten aufs Laufband zum Aufwärmen. Dann mache ich etwas Krafttraining mit Bankdrücken, Thera-Band und Pezi-Ball. Also eigentlich schon ziemlich viel, was ich auch während meiner aktiven Zeit trainiert habe.

Nur Schnellkraft- und Intervalltraining habe ich aus dem Programm genommen. Und falls es nicht reicht, habe ich zu Hause unterm Bett noch eine Turnmatte und mein eigenes Band. Dann mache ich vorm Fernseher mein Wohnzimmer-Workout.

Aber nur bei geschlossenen Rollläden, damit mich die Nachbarn nicht für verrückt halten (lacht)
Aber jetzt sag mal, hast Du heute auch was mitgenommen?

 

Stefan:  Neu war für mich Deine Reflexübung. Die kannte ich bisher noch nicht, aber nehme sie gleich in mein persönliches Programm auf. Auch die anderen Übungen, die Du mir gezeigt hast, fand ich echt interessant. Natürlich waren sie vor allem für Leistungssportler, aber ich denke, einige Methoden kann ich auch mit meinen fortgeschrittenen Kunden ausprobieren, sobald sie ein bestimmtes Leistungsniveau erreicht haben. Schade, dass schon Schluss ist. Du hast bestimmt noch eine Menge mehr auf Lager?

 

Nadine (lacht): Aber hallo. Ich würde sagen: Lass‘ uns einfach nochmal zusammen trainieren!

 

 

 

 

 

Kommentar schreiben

Kommentare: 0